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Patienten reichen über 11.000 Beschwerden über Behandlungsfehler ein

Die Medien haben eifrig über die gestern veröffentlichte Statistik zu ärztlichen Behandlungsfehler berichtet. Von den über 11000 gemeldeten Vorfällen wurden 2287 Fehler von Gutachtern bestätigt. 99 Patienten kamen sogar durch eine Fehlbehandlung zu Tode. Als Begründung wurde der Kostendruck und der Personalmangel im deutschen Gesundheitssystem benannt.
Sicher, der Druck nimmt auf immer weniger Fachpersonal zu. Parallel dazu versuchen die Gesundheitseinrichtungen die Kernprozesse mit Informationstechnologien und moderner Medizintechnik zu unterstützen. Die Investitionsbereitschaft ist hoch und der Nutzen weitläufig anerkannt.
Immer mehr vormals beschaffte Inselsysteme und eigenständige Medizingeräte werden aus nachvollziehbaren Gründen miteinander vernetzt. Und spätestens hier kann Gefährdungspotential für den Patienten entstehen. Um dies frühzeitig erkennen zu können, wurde u.a. die DIN EN 80001-1 als explizitete Norm für den Betreiber verabschiedet. Konkret bedeutet dies, u.a. die Einführung eines Risikomanagements für medizinische IT-Netzwerke. Denn mit der Vernetzung von Medizinprodukten, sind diese, wie andere Netzwerkkomponenten auch, den gleichen Risiken unterworfen,. Man denke dort an Schadsoftware, wie Viren, Würmer oder Trojaner. Aber auch eine Nutzung die nicht den Herstellervorgaben bzw. der Zweckbestimmung entspricht, kann schnell zu einer Gefährdung für den Patienten führen.

Wir empfehlen deshalb folgendes Vorgehen schon bei der Planung von medizinischen IT-Systemen:

  • Vor Beschaffung oder Vernetzung des IT-Systems ist eine Performance-Analyse des zu unterstützenden Prozesses durchführen. Hier zeigen sich schnell Prozessstörungen und -lücken, die dann im Vorfeld optimiert werden können. Damit wird außerdem verhindert, dass die geplante IT-Lösung einen suboptimalen Prozess stärkt.
  • Bei der konkreten Planung des IT-Systems sollte dann bereits eine Risikoanalyse nach DIN EN 80001-1 erfolgen. Die zuvor erstellte Prozessdarstellung fließt  hier u.a. ein. Als Ergebnis wird die Risikomanagement-Akte erstellt, die bereits in der Planungsphase mögliche Risiken aufzeigt. Diese lassen sich meist gut in der weiteren Projektierung berücksichtigen. Die Risikomanagement-Akte wird ab dann über den gesamten Lebenszyklus dieses medizinischen IT-Systems geführt und bei Veränderungen aktualisiert.
  • Spätestens vor dem Go Live des med. IT-Systems sollte ein Betriebskonzept/Betriebshandbuch abgestimmt zur Verfügung stehen. Hier finden sich alle administrativen, organisatorischen und regulativen Informationen für den reibungslosen Betrieb , aber auch den Störungsfall, wieder. Die Erstellung des Betriebskonzepts ist in der Regel sehr komplex und aufwendig, fördert aber gerade im Störungsfall das richtige, schnelle und sichere Handeln.

Blackout: Und die Klinik steht still…

Zur Zeit lese ich den Bestseller von Marc Elsberg „Blackout – Morgen ist es zu spät„. Thema dieses spannenden Romans ist ein gezielter Hackerangriff auf das europäische Stromnetz. Das Handelsblatt schrieb noch vor einigen Tagen sinngemäß – „… das in dem Krimi dargestellte Szenario ist nicht nur äußerst spannen, ein solcher Angriff ist sogar realistisch und möglich…“.

Und wie wirkt sich ein Blackout und sei es nur lokal, auf den Klinikbetrieb aus? Die wenigsten Einrichtungen können dies kaum mit Sicherheit beantworten. Ein Kunde eines großen westdeutschen Klinikverbunds konnte mir von einer solchen Situation berichten. In seiner Klinik wurde jeden Mittwoch die Umschaltung von der normalen Netzversorgung auf den Notstrom getestet. Dafür wurde um 13 Uhr einmal der Umschalter betätig und wenn das Notstromaggregat angesprungen war, wurde wieder zurückgeschalten. An jenem Tage rauchte allerdings genau der Umschalter ab und weder die Versorgung mit dem Netzstrom, noch mit dem Notstrom funktionierte. Was danach ablief kann man sich nur schwer vorstellen. Denn oft gibt es keine Planungen für einen solchen Ausfall. Es mussten Patienten aus dem CT befreit werden und die Beatmungen auf den Intensivstationen wurden teilweise auf Handbetrieb umgestellt. Der gesamte Prozess der Dokumentation über fast alle Bereiche stand still. Operationen mussten ausfallen…
Wie lange verkraftet eine Klinik einen solchen Ausfall?

Eine solche Situation ist für alle Beteiligten ein absoluter Ausnahme- und Streßzustand. Die Konsequenzen für den Betrieb der einzelnen Fachbereiche ist oft nicht bis ins Detail bekannt. Viele Fragen stellen sich dann den Betroffenen.
Wie sieht das Ausfallkonzept aus? Wo wird dokumentiert? Welche Geräte lassen sich noch nutzen und wie lange (USV, lokaler Speicher etc.)? Wie sehen die Wiederherstellungsszenarien aus? Wie kommen die Daten und Informationen die während der Ausfallzeit auf Papier dokumentiert wurden, wieder in die Informationssysteme? Und, und, und….

Ich empfehle , die Erstellung von Betriebskonzepte bzw. Betriebshandbücher für medizinische IT-Systeme bzw. medizinische Netzwerke. Hier sind alle wichtigen Informationen, Rollen, Prozesse und Vereinbarungen für den sicheren Betrieb und auch für Ausfallszenarien dokumentiert. So haben die Anwender immer die Möglichkeit, im Falle des Falles, das Betriebskonzept zur Hand zu nehmen und danach mittels Checklisten zu reagieren.

So lässt sich sicherlich ein Ausfall nicht verhindern, aber es kann adäquat darauf reagiert werden. Dies wiederum erhöht die Versorgungssicherheit und minimiert mögliche ökonomische Folgen.