5 Fakten zur geplanten, gesetzlichen Vierwochenfrist für Facharzttermine


uhr_20120819_1140703201Schon seit langem klagen die „Kassenpatienten“ über lange Wartezeiten auf Termine bei Fachärzten. Je nach Region sind diese deutlich unterschiedlich lang. Der Verdacht liegt nahe, dass einige Praxen für Privatpatienten kurzfristige Termine ermöglichen und „Kassenpatienten“ eher warten gelassen werden. Dies bestätigt auch eine Untersuchung aus dem letzten Jahr. Kassenpatienten müssen dem zufolge 36 Tage auf einen Untersuchungstermin warten – Privatpatienten durchschnittlich 20 Tage. In einem Fall hat ein Patient einen Augenarzt-Termin erst in einem Jahr erhalten.[1]

Dieser Zwei-Klassen-Behandlung möchte nun auch die Bundesregierung einen Riegel vorschieben. Dafür sollen sogenannte Termin-Servicestellen eingerichtet werden. Dies soll die Kassenärztlichen Vereinigungen verpflichten, Behandlungen innerhalb von vier Wochen zu ermöglichen. Kassenärztliche Bundesvereinigung und einige Patientenverbände lehnen die zentrale Terminvergabe dagegen ab.[2]

Und auch beim 117. Ärztetag in Düsseldorf war die „Termin-Offensive“ ein diskutiertes Thema. Dr. med. Jens Schweizer, Delegierter aus Niedersachsen, argumentierte dort, dass in einer Facharztpraxis bis zu 20 vereinbarte Termine pro Woche nicht wahrgenommen werden. Dies ist das Ergebnis einer eigenen Befragung Schweizers in verschiedenen Facharztpraxen in Niedersachsen, bei der er nach eigenen Angaben hochgerechnet bundesweit auf 6,5 Millionen nicht eingehaltene Termine kommt. Sein Resümee – durch die Nichteinhaltung entstehe den Praxen ein großer wirtschaftlicher Schaden.[3]

Und was sagen die Patienten? Fast jeder vierte Patient, der das Internet nutzt, würde Arzttermine auch online vereinbaren – und das am liebsten direkt über die Homepage der Praxis. Eine zentrale Website zur Terminvergabe stellt nur für 8% eine Alternative dar.[4]

Die Krankenkassen preschen derweil schon vor und bieten diverse Terminvereinbarung-Services an. Die DAK-Gesundheit zum Beispiel startet einen neuen Online-Service. Künftig können alle gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland Termine beim Arzt über das kostenlose Angebot der Krankenkasse vereinbaren. Damit will die DAK-Gesundheit den Service verbessern und gleichzeitig die Wartezeit der Patienten auf einen Arzt verkürzen.[5]

Fazit: Die Patienten und Krankenkassen begrüßen die Möglichkeit der schnellen, webbasierten Terminvereinbarung. Dabei möchten die Patienten lieber direkt auf der Homepage der Praxis ihre Termine buchen können.

Die Ärzte sorgen sich um nicht abgesagte oder kurzfristig stornierte Termine und dadurch entstehende Verdienstausfälle.

Und der Gesetzgeber will eine Verpflichtung der Fachärzte in ein Gesetz kippen.

Vorschlag: Als Vorbild einer gemeinsamen Lösung könnten doch die Hotel-Buchungsportale dienen. Die Hersteller von Praxis-Terminierungssystemen (oft auch Teile der Praxis-Verwaltungssysteme) sollten sich auf einen gemeinsamen Standard einigen. Freie Terminslots der Praxen werden automatisch an die zentralen Praxis-Portale gepostet. Damit kann der Patient dann wahlweise auf der individuellen Praxis-Homepage oder auf den zentralen Praxis-Portalen einen freien Termin suchen und buchen. Diese Buchungsinformation wird danach wieder an das Praxis-Terminierungssystem zurückgegeben. Das System könnte auch von den Kostenträgern aufgebaut und finanziert werden. Die Praxen könnten somit eine kostenlose Terminierungssoftware erhalten. Bei jeder Buchung wird der Patient darüber informiert und muss dies auch bestätigen, dass nicht eingehaltene oder rechtzeitig abgesagte Termine mit einer Gebühr zu entschädigen sind. Der Gesetzgeber sollte nur noch die Weichen stellen und die Finanzierung eines solchen Standardisierungsprojekts sichern.

Man darf gespannt sein, wie sich das Thema in den nächsten Wochen entwickeln wird!

[1] “Privatpatienten Bekommen Arzttermin Viel Schneller Als Kassenpatienten.”

[2] “Warum Kassenpatienten Länger Auf Arzttermine Warten Müssen.”

[3] “Zukunftssicheres Gesundheitswesen.”

[4] “Jeder vierte Patient würde online buchen.”

[5] “DAK-Gesundheit Organisiert Arzttermine Online – Netzwelten – Versicherungsbote.de.”

Quellen:

“DAK-Gesundheit Organisiert Arzttermine Online – Netzwelten – Versicherungsbote.de,” July 17, 2014. http://www.versicherungsbote.de/id/4800301/DAK-Gesundheit-organisiert-Arzttermine-service/.

“Jeder vierte Patient würde online buchen,” July 28, 2014. http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/internet_co/article/865917/arzttermine-jeder-vierte-patient-wuerde-online-buchen.html.

“Privatpatienten Bekommen Arzttermin Viel Schneller Als Kassenpatienten.” Augsburger Allgemeine. Accessed August 2, 2014. http://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Privatpatienten-bekommen-Arzttermin-viel-schneller-als-Kassenpatienten-id24761926.html.

“Warum Kassenpatienten Länger Auf Arzttermine Warten Müssen.” WAZ. Accessed August 2, 2014. http://www.derwesten.de/politik/warum-kassenpatienten-laenger-auf-arzttermine-warten-muessen-id9650098.html.

“Zukunftssicheres Gesundheitswesen: Qualitätsoffensive Nicht Ohne Ärzte (09.06.2014).” Accessed July 31, 2014. http://www.aerzteblatt.de/archiv/160593/Zukunftssicheres-Gesundheitswesen-Qualitaetsoffensive-nicht-ohne-Aerzte.

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