SAP-App macht jedes KIS mobil


Das SAP-Systemhaus PlanOrg teilte in  einer News letzte Woche mit: “ Die ARCUS Kliniken Pforzheim arbeiten ab sofort mit der mobilen, elektronischen Patientenakte PlanOrg mobile.EMR (Electronic Medical Record) der PlanOrg Informatik. Ob während der Behandlung oder in der Visite – die Klinikärzte werden künftig über mobile Endgeräte direkten Zugriff auf alle relevanten administrativen, medizinischen und pflegerischen Patientendaten aus dem Krankenhausinformationssystem (KIS) ORBIS haben. Die mobile Patientenakte liefert den Ärzten der Klinik einen aktuellen Überblick über den Behandlungsstand des Patienten und gewährt ihnen zeitgleich Einblick in die für ihr Zeitmanagement wichtigen Informationen, wie z. B. Termine und OP-Belegungen. Die PlanOrg mobile.EMR basiert auf dem KIS-unabhängigen Framework der mobilen App SAP EMR Unwired.“

Funktionalitäten sind u.a.:

  • CAVE (Risiken, Allergien, Auffälligkeit)
  • Kodierung (aktueller DRG-Code, Verweildauer, Diagnosen und Prozeduren, etc.)
  • Kurven (Blutdruck, Temperatur, Puls)
  • Laborwerte
  • Verlaufsnotizen
  • Patiententermine
  • Mitarbeitertermine
  • DICOM Viewer mit allen Studien zum Patient (nur Bildbetrachtung)
  • OP-Pläne
  • Medikation
  • Befunde

Eine Funktion wird besonders herausgestellt- „Visualisierung von Befunden

EMR KURVEN Neben Vorteilen für Ärzte und Pflegekräfte – Informationen der Patientenakte jederzeit schnell und übersichtlich verfügbar – bietet die Lösung auch für die Patientenaufklärung völlig neuartige Möglichkeiten – visualisiert und leicht verständlich können Befunde oder andere Informationen vermittelt und erläutert werden.“

Und da schrillen gleich alle Alarmglocken! Die grafische Aufbereitung von Patientendaten zu medizinischen Zwecken, stellt eine Funktionalität dar, die auf eine Nutzung als ein Medizinprodukt hinweist. Die MEDDEV 2.1/6 erwähnt eine solche Funktion explizit.

„Altering the representation of data for embellishment purposes does not make the software a medical device. In other cases, including where the software alters the representation of data for a medical purpose, it could be a medical device.“

Auf der Website und den Flyern konnte ich keinerlei Hinweis zum Thema Software als Medizinprodukt finden.

Immerhin wird der Medical Device Security Rechnung getragen – „Ergänzt durch den Einsatz von SAP Afaria werden alle Anforderungen des Bundesdatenschutzgesetzes erfüllt sowie darüber hinaus Sicherheit, Skalierbarkeit und ein zentrales Management der mobilen Endgeräte in die IT Landschaft implementiert.“.

Fazit: Betrachtet man die Funktionalitäten der PlanOrg-App „mobile.EMR“ könnte man zunächst von einem Nicht-Medizinprodukt ausgehen, da damit lediglich Daten erfasst, dargestellt und gespeichert werden. Durch die Funktion „Visualisieren von Befunden“ ändert sich dieses Bild jedoch. Durch die grafische Aufbereitung und evtl. Cross-Data-Views könnte das Produkt (gffls. ein Modul davon) unter das Medizinproduktegesetz fallen (siehe MEDDEV 2.1/6).

Ich werde eine Anfrage an den Hersteller tätigen – vielleicht wird es ja als MP in den Verkehr gebracht (und es war nur nicht erwähnenswert).

Quellen:

https://i2.wp.com/www.planorg.de/images/thumbnails/PlanOrg_mobile.EMR_fr_KIS_ORBIS_low.jpg

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